Das Dorf Rantum auf Sylt

Rantum und seine Geschichte

Anno 1142 befindet sich auf den Seekarten der Nordsee die Bezeichnung „Raantem“ in Verbindung mit der „Westersee-Kirche“. Eine Kirche als Seezeichen, das lässt auf eine große Kirche schließen. Eine große Kirche steht meist auch in einem großen Ort. So liegt die Vermutung nahe, dass Rantum vor gut 1000 Jahren ein verhältnismäßig großer Ort in diesem Inselgebiet gewesen ist. Im Laufe der Jahrhunderte ist das erste Rantum 1362 und das zweite Rantum 1634 von der Gewalt der Nordsee, den Sturmfluten, zerstört worden. Das dritte Rantum ist im 17. Jahrhundert durch die Wanderdünen versandet und wurde dann umgesiedelt. Um jenen neuen Standort, heute die weißen Friesen-Häuser um Rantum Inge herum, entstand das vierte Rantum. Um die Jahrhundertwende standen dort 11 Häuser, und in Rantum lebten etwa 60 Menschen. Die Fremdenverkehrsentwicklung, deren Anfänge Westerland und Wennigstedt zum Aufschwung verhalfen, ließ Rantum in den Vorkriegsjahren unberührt. Nach dem 1. Weltkrieg entstand das „Seeheim Alt Rantum“, ein Erholungsheim der Reichsbahn.

Die Deutsche Wehrmacht erklärte die Insel Sylt zu einem strategisch wichtigen Ort und begann mit dem Bau vieler Verteidigungsanlagen. So sollte auch in Rantum neben vielen Flakstellungen in den Dünen ein Marine-Seefliegerhorst entstehen. Eine eingedeichte Wasserfläche, sollte — unabhängig von Ebbe und Flut — als Ladeplatz für Wasserflugzeuge dienen. Diese Wasserfläche ist heute das Rantumer Becken, ein großes Vogelschutzgebiet.

Die Erdmassen, die aus dem Rantumer Becken herausgebaggert wurden, sind als Grundlage für die Kasernenanlage aufgespült worden. Die Anlage umfasste seinerzeit 6 Kasernenblöcke, einen Wirtschaftsbetrieb und 3 große Flugzeughallen. Die Fertigstellung der Anlage ist vom Kriegsende eingeholt worden.

Nach dem die Einwohnerzahl Rantums, bedingt durch die Großbaustelle „Marine-Seefliegerhorst“ auf ca 250 Einwohner angewachsen war, zählte man in der Gemeinde Rantum am 02.06.1946 über 2500 Personen im Dorf.

Die englische Besatzungsmacht hatte Flüchtlinge in die halbfertige Kasernen-Anlage einquartiert. Im Laufe der nächsten 15 Jahre wanderten die meisten dieser Flüchtlinge nach Westdeutschland ab. Fortan zählte man in Rantum ca. 500 Einwohner.

Der Fremdenverkehr hatte auch diesen Ort erfasst, und es entwickelte sich eine starke Bautätigkeit, die die Zahl der Häuser verdreißigfachte. Rantum ist heute ein Ort, dessen Infrastruktur sich eindeutig auf den Fremdenverkehr ausrichtet .Einige Gewerbetreibende runden das Bild ab. Neben dem Sozialwerk der Bundesbahn „Seeheim Alt Rantum“ haben sich in den verbliebenen Kasernen-Bauten eine Reihe von Sozialwerken etabliert, die mit der ADS zusammen einen bedeutsamen Faktor in der Gästestruktur des Ortes darstellen. Im Ort werden somit insgesamt 2500 Gästebetten vorgehalten. Ihre Auslastung lässt Rantum hinter Westerland und Wenningstedt als drittstärksten Ort in der Übernachtungsstatistik erscheinen.