Der ADS Grenzfriedensbund e. V.

ADS, drei Buchstaben

Jahrzehntelange Gewöhnung und ein allseits verbreiteter Trend zur Abkürzung haben die drei Buchstaben ADS populär gemacht und zu einem Gütezeichen für zoziales und sozialpädagogisches Engagement in unserem deutsch-dänischen Grenzraum werden lassen. Daß die Kurzform für Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig e.V. steht, ist bereits seit langem nicht mehr allgemein bekannt, und mit dem geschichtlichen Hintergrund der Namensgebung sind heute nur noch wenige Eingeweihte vertraut.

Die Entstehung der ADS reicht in eine Zeit zurück, diegeprägt war von einem verlorenen Krieg, dem totalen Zusammenbruch der deutschen Nation und dem Verlust aller materiellen und geistigen Werte. Gefangenschaft und Tod hatten die Familien zerissen; andere wurden von Haus und Hof vertrieben und versuchten als Flüchtlinge unter schwierigsten Überlebensbedingungen in unserer Heimat einen Neuanfang. Hunger, Armut, Krankheit und Entbehrungen standen verlockende materielle und ideelle Angebote auf dänischer Seite gegenüber und schürten den Grenzkampf.

In der damaligen nationalpolitischen Auseinandersetzung ging es im Landesteil Schleswig um deutsch oder dänisch; ein beträchtlicher Teil der einheimischen Bevölkerung hatte sich der neudänischen Bewegung
zugewandt, eine Verschiebung der Grenze an die Eider war das erklärte Ziel fanatischer dänischer Kreise und stand nach dem Ergebnis der ersten Nachkriegswahlen auch zu befürchten. Unter dem Eindruck der Gefahr, das Heimatrecht zu verlieren, wurde 1948 unter der Führung des Fabrikanten Christian Carsten Christiansen die Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig gegründet, um der dänischen Einflußnahme entgegenzuwirken.

Der Erfolg blieb nicht aus und fand seinen personalen Ausdruck in der Entsendung eines überparteilichen deutschen Abgeordneten in den ersten deutschen Bundestag, wenngleich der SSW, die politische Vertretung der dänischen Minderheit, bis 1962 stärkste Partei in der Stadt Flensburg blieb. Aus der Erkenntnis, daß den Wahlerfolgen in der national-politischen Auseinandersetzung noch keineswegs eine entscheidende Bedeutung beizumessen war, wurde die ADS dann durch die im Landesteil Schleswig wirkenden deutschen Organisationen mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut.

Damit wurde die Basis gelegt für eine journalistische und zeitgeschichtliche
Dokumentationsarbeit, die viele Jahre das Geschehen im Grenzland begleitete und zu einem vertieften Verständnis
der Vorgänge in unserer Heimat und später auch zur Annäherung der Fronten und zur Befriedigung der Lage im Grenzland wesentlich beitrug. Parallel zur Pressearbeit erschlossen sich der ADS soziale Aufgaben, die sich nach und nach zum eigentlichen Wirkungsfeld unserer Organisation entwickelten. Es galt der deutschen Bevölkerung
in dem sozial und wirtschaftlich besonders benachteiligten Grenzgebiet in ihren Grundbedürfnissen zu helfen, Lebens– und Existenzhilfe zu leisten.

Für die in überbelegten Wohnungen lebenden Kinder, deren oft alleinstehende Mütter zur Arbeit gezwungen waren, mußten Kindergartenplätze geschaffen werden. Kranken und erschöpften Müttern und Kindern mußten Genesungsaufenthalte oder Hilfen durch Gemeindeschwestern vermittelt werden. Im Gegenzug zu einem großangelgten Sommerferienprogramm der dänischen Seite, das Tausende von Kindern für Wochen und Monate Erholungsaufenthalte im „Schlaraffenland Dänemark“ erleben ließ, mußten den Schulkindern der deutschen Schulen bescheidene Möglichkeiten eröffnet werde, jedenfalls für ein oder zwei Wochen Abwechslung und Erholung außerhalb der beengten und kargen häuslichen Verhältnisse zu finden.

Das war Anfang der 50er Jahre die zeitgeschichtliche Kulisse für den Beginn der ADS-Sozialarbeit. Unsere heutigen Kindergärten, Schullandheime, Kurheime und Sozialstationen hatten zum großen Teil ihren Ursprung in ausgedienten Kasernenanlagen und ehemaligen Wehrmachtsbaracken. Inzwischen ist viel Wasser durch Königsau und Eider geflossen; die Verhältnisse im deutsch-dänischen Grenzraum haben sich normalisiert; an die Stelle der national-politschen Auseinandersetzung ist der kulturelle Wettbewerb getreten; das Leben zwischen Dänen und Deutschen gestaltet sich gut nachbarlich.

Die ADS hat an dieser Entwicklung aktiv teilgenommen und maßgebliche Anteile an der Ausformung der Lebensverhältnisse in unserem Grenzland.

Auch die Sozial-arbeit der ADS ist im Laufe der Jahrzehnte Wandlungen unterworfen gewesen. Unter sich ständig verändernden Bedingungen hat die ADS auf immer neue soziale Herausforderungen angemessen und wirkunsvoll reagieren müssen. Nach und nach haben sich die Handlungsfelder erweitert und deutliche Konturen erhalten. Die Arbeit bekam ein soliedes fachliches Fundament, und die sich spürbar vollzogene national-politische Entspannung machte es in unserer Zeit möglich, soziale Leistungen ohne Ideologie immer dort anzusetzen, wo schlicht die Hilfe geboten erscheint.

Heute verfügt die ADS über soziale Einrichtungen im Landesteil Schleswig und im Kreis Plön. Hierzu zählen Kindergärten mit über 1500 Plätzen, 6 Schullandheime mit über 700 Plätzen , 2 Jugendtreffs, ein Freizeitzentrum, 2 annerkannte Müttergenungsheime, 3 Sozialstationen bzw.
Pflegezentren, 2 Seniorentreffs, eine Familiebildungsstätte mit einer Dependance und weitere Außenstellen sowie eine Kurenvermittlungsstelle.

Menschen nehmen jährlich die sozialen Dienste und sozialpädagogischen Angebote der ADS in Anspruch, und rund 400 haupt– und nebenamtliche Mitarbeiter sind darum bemüht, der Bevölkerung unseres in mancher Hinsicht benachteiligten Landesteils im friedlichen kulturellen Wettbewerb und zum Teil in Kooperation mit den seit eh und je vorbildlich organisierten dänischen Sozialeinrichtungen zeitgemäße und effektive Hilfen zur Daseinsbewältigung und Lebensgestaltung zu vermitteln.

So ist das Leitziel unserer Sozialarbeit, den Menschen unserer peripheren Region mehr Lebensqualität zu verschaffen, über die Jahrzehnte hinweg unverändert geblieben, wobei eine weitsichtige Grenzlandpolitik es jedem Bürger unserer Heimat freistellt, zwischen der Inanspruchnahme der heute weitgehend gleichwertigen dänischen oder deutschen Sozialeinrichtungen frei zu wählen.